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ermanno chiavi
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PRESSE BERICHTE
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Das Geheimnis des Bekannten
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Gedanken des Zürcher Gitarrenbauers Ermanno Chiavi zur Ästhetik im Gitarrenbau und ein Selbstporträt
von Oliver Primus, erschienen im "Gitarre aktuell" III/ 2002 |
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| Der Tüftler aus dem Industriequartier |
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Der Bündner Ermanno Chiavi baut in Zürich Gitarren, welche die Fachwelt begeistern. Heute feiert er in Zürich Jubiläum.
Die Südostschweiz vom Samstag, 24.September 2005 KULTUR
von Franco Brunner |
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| Der Forschungsauftrag der Hochschule Musik und Theater Zürich (HMT) zeitigt Resultate. Jüngstes Beispiel: Eine 13-saitige Gitarre.
Tages-Anzeiger vom Dienstag, 15. Juni 2004 KULTUR
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| „J’étais curieux de savoir comment un guitariste trouverait son chemin sur tant de cordes et de frettes“.
Guitare Classique Janvier 2008 No 39, Florent Passamonti
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Das Geheimnis des Bekannten
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Ermanno Chiavi: Es geht mir darum, dass ich meine Sensibilität dauernd schule und Wissen plus Erfahrung objektiv unterstütze. Deshalb bekommt jede Gitarre einen Rapport mit vielen Angaben. Es könnte den Eindruck entstehen, dass ich Gitarren mit Computern baue... das ist nicht so. Aber der Vergleich zwischen realem Klangergebnis, auch nach Jahren, mit den genauen Angaben zur Erstellung, liefert viele wertvolle Einsichten. Eine Gitarre verändert sich ja nicht nur klanglich, sondern auch physisch. Ich kann dann immer nachschauen: Wie war die Ausgangslage? So habe ich auch eine bessere Kontrolle der Lebensdauer des Materials.
Schon früher nahm ich Messungen vor, die ich heute zwar nicht mehr gebrauchen kann, weil sie zu wenig genau sind, aber das war der Beginn einer Wahrnehmungsschulung; zu lernen, auf welche Parameter ich vor allem achten muss. Dieser Prozess ist in verschiedenen Phasen abgelaufen. Ich habe mir immer Ziele gesetzt - bei meiner ersten Gitarre ging es mir zunächst nur darum, dass jemand den Gitarrenkoffer öffnet und sagt: Ach, das ist ja eine Gitarre! Es war also ein niederschwelliges Ziel.
Am Zürichsee las ich dann ein Buch: Wie baue ich eine Gitarre, geschrieben von einem Autor, der dieses Buch parallel zum Bau seiner ersten Gitarre verfasst hatte; immerhin. Dann verschickte ich viele Briefe an Gitarrenbauer mit der Anfrage nach Ausbildungsmöglichkeiten. Ich erhielt zwei abschlägige Antworten... Später hörte ich von Gerold Hannabach, fuhr nach Bubenreuth und zeigte ihm meine erste Gitarre. Er zögerte, was ich heute begreife durch meine eigene Erfahrungen mit Interessenten, die in meiner Werkstatt lernen wollen. Er hatte auch noch nie jemanden vollumfänglich ausgebildet, was ja eine sehr anspruchsvolle und zeitraubende Aufgabe ist. So bot er mir an, seine Reparaturkurse zu besuchen, was ich dann während einiger Jahre tat. Später bat ich ihn um eine Anlehre, von mir selbst bezahlt. Auf diesem Wege kam ich auch zu Margarete Brunswicker nach Frankfurt, neben den direkten Unterweisungen von Hannabach. Beide haben sich sorgfältig für mich eingesetzt, wofür ich bis heute sehr dankbar bin.
In der Schweiz hat der Beruf des Gitarrenbauers keinen Status. In Deutschland ist das anders. Für mich ist der Kontakt zur deutschen Gitarrenbauerszene, die ich als lebendig empfinde, von sehr großer Bedeutung. Damals wurde mir auch klar, wie genau und unmissverständlich die deutsche Sprache sein kann. Im Italienischen, was ja meine Muttersprache ist, bleiben Aussagen gerade für technische Zusammenhänge vieldeutig. Diese Lehrzeit war für meine Entwicklung eine sehr solide Basis.
Schon damals hatte ich mir jedes Jahr ein konkretes Ziel gesetzt. Eines war natürlich, vom Gitarrenbau leben zu können und selber auf dem Niveau zu bauen, wie ich es gelernt hatte. Klangliche Aspekte ließ ich zunächst gänzlich außer acht; ich sagte mir, was nutzen meine klangliche Ideale, wenn meine handwerklichen Fähigkeiten dafür nicht genügend entwickelt sind? Die ersten Gitarren habe ich dementsprechend sehr günstig verkauft. Dann kam jemand zu mir, ein wichtiger Gitarrist, der meine Gitarren wirklich gut fand, und sagte: Deine Instrumente sind zu billig. Das ist rufschädigend.
Als ich mit dem Gitarrenbau begonnen hatte ich war 29 Jahre alt -, wollte ich mir selber den Rückweg abschneiden. Ich kaufte für viel Geld Maschinen und Werkzeuge und meldete mich offiziell als Gitarrenbauer an. Die Jahre vorher hatte ich viele verschiedene Erfahrungen gemacht. Mein erster Beruf ist der des Primarlehrers gewesen. Später arbeitete ich mit Behinderten, mit Kinder, dann als Kulturanimator für Pro Helvetia. Daneben besuchte ich einige Semester die Schweizer Jazzschule in Bern, aber mir wurde schnell klar, dass ich nicht eigentlich Musiker bin.
In meiner ersten Werkstatt in Zürich habe ich viele Instrumente repariert und auf diese Weise all die tollen Instrumente in der Hand bekommen: Fleta, Ruck, Romanillos, Friedrich, Rubio usw. Ich habe viel vermessen, gestaunt...und versuchte vor allem, die jeweilige Philosophie dahinter zu verstehen. Jedes Instrument ist ein Gebilde, das aus einer Art besonderer Sprache entwickelt wurde, und diese gilt es zu verstehen. Aber nicht in einem platten Sinne, dass es zu jedem Problem eine bloß technische 'how to Antwort gäbe... gerade das stimmt eben nicht. Denn wenn eine Gitarre gut ist , dann stimmt das ganze Gefüge. Und wenn man einen Teil ändert, hat das für das ganze Instrument eine Konsequenz. Die Frage, wie alles zusammenstimmt, hat mich immer beschäftigt. Damals waren mir viele Zusammenhänge auch nicht nachvollziehbar. Zu dieser Zeit war die Literatur über Gitarrenbau eher dürftig. Ich hatte immer den Eindruck, dass Beschreibungen, z.B. über die Beleistung, unvollständig waren- so, als wäre die Festigkeit der Leisten nicht genauso entscheidend wie deren Anordnung auf der Decke. Also wieder dieser Gedanke, dass alles zusammen stimmen muss und kein Element vernachlässigt werden darf. Man betrachtet einen Gegenstand, sieht drei Elemente und zehn eben nicht, weil man nicht geschult ist. Das ist ja auch sonst im Leben so.
Hannabach hatte mir immer gesagt, dass der Weg, wie jemand etwas macht, nicht so wichtig ist, solange das Erreichte stimmt. Das war für mich ermutigend, meinen ganz eigenen Weg zu finden. Bis heute habe ich Konstruktionsdetails aus dieser Zeit mit Überzeugung beibehalten, aber vieles auch gänzlich verändert. Eigentlich bin ich jemand, der langsam lernt, weil ich auf viele Dinge gleichzeitig achte.
Ich fühle mich meiner Zeit verpflichtet, und bei allem Respekt vor der Tradition der alten Meister bin ich der Meinung, dass die Abwertung z.B. des heutigen Gitarren- oder Geigenbaus den historischen Instrumenten gegenüber nicht gerecht ist. Aus dem Grunde bin ich auch dagegen, einen Sammler die Beurteilung von Instrumenten zu überlassen. Genau genommen werden hier Werte gesetzt mit der sicherlich wichtigen Funktion, Werte zu erhalten -, aber die Frage nach gerechter Beurteilung zeitgenössischer Instrumente betrifft vor allem diejenigen, die bauen so wie die Spieler und die Hörer den Klang beurteilen müssen. Mein Klangideal ist mir zwar immer deutlicher vor Augen und stets unerreicht in einem gewissen Sinne - , aber ich glaube, dass man die sie Entstehung von ästhetischen Vorstellungen in ihrer Zeit mitreflektieren muss. Man könnte es auch so sagen: Ich habe nichts Neues herausgefunden; alles wurde schon erfunden. Aber die einzelnen Elemente setzte ich anders zusammen. Das wussten die alten Meister wie wir, mit dem Unterschied, dass wir heute über präzisere technische Hilfsmittel verfügen. Aber die physikalischen Gesetzte haben sich doch nicht geändert! In diesem Sinne gibt es keine Geheimnisse.
Der Prozess, in dem sich ein persönliches Klangideal entwickelt, ist immer im Gang.
Ich finde es ausserordentlich schwierig, Klangideale allgemeingültig zu formulieren. Allein die verschiedenen Klangparameter aufzuschlüsseln und zu benennen....als Hilfsmittel stehen uns dabei physikalisches Wissen und handwerkliche Erfahrung zur Verfügung.
Ja, das Thema der Vorbilder...von vielen dieser renommierten Gitarren erstellte ich Pläne. Nach dem Vergleichen von Bauwiese und Klangcharakter empfand ich mehr und mehr die Notwendigkeit, eine eigenen Weg herauszufinden genau genommen habe ich nicht kopieren wolle, weil ich kein wirkliches Vorbild gefunden hatte, abgesehen von Details. Immer wieder fehlte mir ein wesentliches Element. Das soll keine Wertung sein, auch nicht gegenüber dem Vorgang des Kopierens, der ein wichtiger Prozess sein kann. Eigentlich verwende ich alle technischen Hilfsmittel als Schulung meiner Wahrnehmung und als eine Art objektiver Beurteilung. Beim Bauen bleibt aber der Anteil an Handarbeit, an Körperarbeit sehen, hören, tasten das Wesentliche. Maschinen nehmen lediglich die Routinenarbeit ab.
Ich möchte an dieser Stelle noch etwas zum Material sagen. Mir erscheint es heute fragwürdig, die Instrumente alter Meister zu vermessen und sie dann ein zu eins nachzubauen. Die Grundeigenschaften des verwendeten Materials und deren Verarbeitung sind doch dabei genauso wesentlich, da Holz organisch ist und damit einmalig; jedes Stück Holz kommt in der Natur nur einmal vor. Wenn ich mein Klangideal erreichen will, muss ich jedes Stück Holz der Beschaffenheit entsprechend bearbeiten. Deshalb nehme ich bei Gitarrendecken statische und dynamische Messungen vor ( Messungen der Biegfestigkeit und der Frequenzresonanz ). Diese Daten muss ich sammeln, um sie später miteinander vergleichen zu können und immer wieder aktualisieren. Wie ich dann letztendlich eine Decke bearbeite, die Art und Stärke der Beleistung, die Kräfteverteilung oder die Deckenstärke, ist eine ganz gegenwärtige persönliche Entscheidung.
Klangkriterien für die Gitarre zu entwickeln, zu definieren und allgemeingültig zu formulieren erscheint mir als eine wesentliche Aufgabe. Die sprachlichen Grenzen sind nämlich schnell erreicht. Wenn ein Gitarrist z.B. sagt, er möchte einen runden Klang- was bedeutet denn das wirklich? Oft sind die Begriffe, einen Klang zu beschreiben, ganz subjektiv definiert, unübertragbar für die Ausdruckweise eines anderen Musikers. Es gilt also, ein Sprachproblem zu lösen. Diese Schwierigkeit scheint mir sehr gitarrenspezifisch zu sein. Beim Klavier z.B. gibt es einen Stimmer bzw. Intonateur, der ( wenn er gut ist ) so intoniert, wie ein Spieler es möchte. Die Begriffe sind dabei klar definiert. Anders bei unserem Instrument: Allein schon die Frage der Anschlagstechnik, die Beschaffenheit der Fingernägel und der Saiten ist so bedeutsam und die gleiche Gitarre, von zehn verschiedenen MusikerInnen gespielt, führt zu immer neuen klanglichen Ergebnissen. So versuche ich, erst einmal die Klangbegriffe jedes einzelnen Gitarristen herauszufinden, die mir dann als Arbeitsgrundlage dienen. Manchmal decken sich die Begriffe, manchmal nicht...oft sind die Worte vor allem bildlich: runder Klang; neblig; unzentriert; dünn; dick; bauchig; usw. Wenn es mir gelingt, diese Aussagen in Frequenzbereiche zu übersetzten, kann ich mit der eigentlichen Arbeit beginnen und diejenigen Teile der Gitarre so gestalten , dass der Klangcharakter in dieser Richtung zielt. Denn die Dinge liegen komplizierter, weil es eben gar nicht so einfach ist, Ursache und Wirkung immer eindeutig zu bestimmen.

Es gibt heute eine Markt diktierte Tendenz, lautere Instrumente zu bauen, um größere Räume füllen zu können. Das wird oft auf Kosten der Klangfarbe erreicht. Die Energie, die die Saite auf das Instrument überträgt, wird vom Material aufgenommen und nur zu einem kleinen Teil ( ca. 3 % ) reflektiert und spezifisch verfärbt. Wenn man jetzt versucht, diesen Energieverlust dadurch zu minimieren, dass man Zargen, Boden und Hals noch mehr versteift, damit nur noch die Decke schwingt, ist auch ein Teil der Klangfarben verschwunden. Hinzu kommt, dass der Gitarrist, der hinter seinem Instrument sitzt, auf diese Weise von der Gitarre viel weniger unterstützt wird; er spürt sie weniger. Es ist eben ein Trugschluss zu glauben, 'laute' Instrumente würden besser gehört.
Eines meiner wichtigsten Ziele ist, ein Instrument zu bauen, das in einem gewissen Sinne schlicht ist, aber hochgradig reaktionsfähig damit der Interpret einen besseren Zugriff auf die verschiedenen Klangregister hat und somit seine Interpretation präziser realisieren kann.
Dieser Artikel ist im Gitarre aktuell III/ 2002 erschienen.
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Die Südostschweiz vom Samstag, 24.September 2005 KULTUR
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Der Tüftler aus dem Industriequartier
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Der Bündner Ermanno Chiavi baut in Zürich Gitarren, welche die Fachwelt begeistern
Der Puschlaver Ermanno Chiavi ist seit 20 Jahren eine feste Größe in der Schweizer Musikszene. Er macht jedoch nicht als Musiker von sich reden, sondern als Gitarrenbauer. Heute feiert er in Zürich Jubiläum.
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Von Franco Brunner
Der Weg ins Atelier des 49-jährigen Bündners, bei der Maag Event Hall in Zürich, entpuppt sich als wahrer Irrgarten. Schmale Treppen schlängeln sich in die Höhe. Man durchquert die engsten Winkel von Arbeitsräume von anderen Kunstschaffenden im Gebäude, bis man plötzlich, ganz am Ende, inmitten der kleinen, aber feinen Werkstatt des Gitarrenbauers steht.
Der Meister selbst ist am Werk, und man traut sich fast nicht, ihn zu stören. Doch mit einem einladenden Lächeln wird man hineingebeten. „Das mag ich eben an diesem Arbeitsklima hier“, erklärt Chiavi. „Man ist zwar schön abgeschieden, doch dank der Arbeitsgemeinschaft trotzdem nicht alleine.“ Es ist immer etwas in Bewegung, genau wie Chiavis Gedanken über den Bau der nächsten Gitarre.
Vom Flicken zum Bauen
Ermanno Chiavi begann im Alter von 29 Jahre mit dem professionellen Gitarrenbau. Nach vielen gesammelten Erfahrungen, wie zum Beispiel in seinem ersten Beruf als Primarlehrer, als Kinder- und Behindertenbetreuer, sowie als Kulturanimator für Pro Helvetia, verschlug es ihn für einige Semester an die Jazzschule nach Bern. Doch ihm wurde schnell klar, dass er kein Musiker ist. So kam er, über das Reparieren zahlreicher Instrumente, in Kontakt mit verschiedenen hochklassigen Gitarren. „Jedes Instrument ist ein Gebilde, das aus einer Art besonderen Sprache entwickelt wurde, und diese gilt es zu verstehen“, erzählt Chiavi.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er im zarten Alter von zwölf Jahren, seine erste Gitarre dann auch gleich selber herstellte. Mittlerweile ist er zu einem Meister seines Fachs geworden. Die Warteliste für den Bau einer echten „Chiavi“ beträgt daher nicht selten über ein Jahr. Im Schnitt liegt knapp ein Monat Arbeit in einer solchen Gitarre, welche dann auch schon mal den stolzen Preis von 8’000 bis 12'000 Franken kosten kann.
Chiavi nimmt immer nur ein neues Projekt sprich eine Gitarre nach der anderen in Angriff. Anders wäre es vielleicht wirtschaftlicher, doch dies entspricht nicht dem Naturell des Gitarren-„Virtuosen“. Er konzentriert sich immer nur auf eine Arbeit, damit diese auch so perfekt wie möglich gelinge.
Schlichte Handarbeit
Gelernt hat der Bündner sein Handwerk im Ausland. Die Deutschen Gerold Hannabach und Margarete Brunswicker waren seine Mentoren. „In der Schweiz hat der Beruf des Gitarrenbauers keinen Status“, sagt Chiavi resigniert. In der Tat, Gitarrenbauer ist in der Schweiz kein anerkannter Beruf. Doch auch in Deutschland war es nicht einfach. Zuerst bekam Chiavi das Angebot, Hannabachs Reparaturkurse zu besuchen, bevor er eine selber finanzierte Anlehre beginnen durfte.
Mittlerweile hat sich so einiges verändert. Die Maschinen und die Klangforschung wurde immer besser, doch gemäß Chiavi ist beim Bauen einer Gitarre der Anteil an Handarbeit, an Körperarbeit sehen, hören, tasten immer noch das Wesentliche.
Immer Herausforderungen

Das Design seiner Gitarren ist schlicht und klassisch und der Ton transparent und neutral. „Eines meiner wichtigsten Ziele ist es“, fährt der Maestro fort, „ein Instrument zu bauen, das in einem gewissen Sinne schlicht ist, aber hochgradig reaktionsfähig“. Bei diesen Erläuterungen merkt man, dass auch nach 20 Jahren seine Leidenschaft noch nicht erloschen ist. Ein weiteres Beispiel seiner stetigen Weiterentwicklung oder wie er es nennt, den Prozess der Verbesserung ist das vor zwei Jahren lancierte Projekt einer 13-saitigen Gitarre.
Beim Auftrag des schwedischen Musikers Anders Miolin, wagte sich Chiavi in völlig unbekannte Sphären. Doch auch diese Spezial-Gitarre mit einem Tonumfang von fünf Oktaven stellt den Handwerker nicht vor allzu große Probleme. Das Projekt wurde realisiert und ein voller Erfolg. Nicht nur, dass er schon einige weitere, solcher Gitarren herstellen durfte, sogar eine Forschungsgruppe der ETH Zürich, widmete sich diesem „Wahnsinnsinstrument“. So ist er eben, der Bündner Gitarrenbauer aus Zürich: Keine Herausforderung ist zu groß, um nicht in Angriff genommen zu werden.
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Tages-Anzeiger vom Dienstag, 15. Juni 2004 KULTUR
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Eine neue Gitarre mit fünf Oktaven Tonumfang
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Der Forschungsauftrag der Hochschule Musik und Theater Zürich (HMT) zeitigt Resultate. Jüngstes Beispiel: Eine 13-saitige Gitarre.
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Wie hoch sie klingt, bestimmt die Anzahl Bünde, die Bassgrenze ist durch ihre tiefste Saite bestimmt: dreieinhalb Oktaven bietet das Griffbrett einer konventionellen Gitarre. Zu wenig, fand der Gitarrist Anders Miolin. Seit je pflegt der schwedische Virtuose, der in der Schweiz lebt und an der HMT Zürich eine Gitarrenklasse leitet, neben dem originalen Gitarrenrepetoire auch die Kunst der Transkription. Klavierstücke von Chopin bis Ravel und Satie hat er seinem Instrument angepasst, besonders aber galt seine Sehnsucht der barocken Lautenmusik. Doch ausgerechnet diese lässt sich auf die normale Gitarre nur mit unschön zu transportierenden Basslinien übertragen.
Die Konsequenz war klar: Die Gitarre braucht zusätzliche Saiten, und zwar am besten gleich die Töne einer ganzen Oktave. Im Zürcher Atelier von Ermanno Chiavi wurden diese nun im Rahmen eines HMT-Forschungsprojekts hinzugefügt. Um sieben diatonisch absteigende Saiten hat der Puschlaver Gitarrenbauer die sechs herkömmlichen ergänzt, hat außerdem in der Höhe fünf zusätzliche Bünde angebracht und damit den Tonumfang auf ganze fünf Oktaven erweitert.
Neu sind solche Experimente nicht. Die Gitarristen seien zwar ein konservatives Volk, sagt Anders Miolin, doch seien immer wieder Erweiterungsversuche unternommen worden. Er selber spielte längere Zeit eine 11-saitige Altgitarre, die aber ein beschränktes dynamisches Spektrum hatte, und daneben ein kräftiges, normal gestimmtes 10-saitiges Instrument.
Starker, variabler Klang
Beides, starken Klang und großen Tonumfang, zu vereinen, war nun der Wunsch, den er an Ermanno Chiavi richtete. Zwei Jahre lang hat dieser darauf Ideen und Anregungen gesammelt, hat nachgedacht, ausprobiert, am Computer und mit Holz experimentiert, bis eine Lösung gefunden war, die all die komplexen Faktoren eines akustischen Instruments optimal kombinierte. Die also nicht das Klangvolumen auf Kosten der Klangschönheit oder den Tonumfang auf jene der konstruktiven Stabilität strapazierte.
Und so sieht nun die neue „Chiavi-Miolin“-Gitarre aus: Sie hat ein erheblich breiteres Griffbrett für alle 13 Saiten (also auch für die leer gespielten neuen Basssaiten, was die Verwendung eines Kapodasters möglich macht), ein von der Mitte an den oberen Rand verschobenes Schallloch, eine neue Leistenstruktur des Korpus, einen breiten Kopf, auf dem die Mechanikwellen über- und nebeneinander angebracht sind, und eine vom Griffbrett weggeneigte Decke.
Alles zusammen ergibt nicht nur einen außerordentlich vollen, sondern auch einen sehr variablen Klang. Manchmal erinnert er tatsächlich an eine Laute, manchmal meint man auch, eine Harfe zu hören. Und mit seinem Klangvolumen kann das neue Instrument problemlos in kammermusikalischen Kombinationen bestehen, ohne auf Schonung durch die Mitmusiker oder besonders gespitzte Zuhörerohren angewiesen zu sein. Es zu spielen, brauche etwas Gewöhnung, sei aber jedem versierten Gitarristen problemlos möglich, sagt Anders Miolin.
Vier Instrumente hat Ermanno Chiavi bereits fertig gestellt, ein fünftes ist in Arbeit. Bereits haben auch Studierende aus Miolins Klasse darauf zu üben begonnen, und die Fachwelt reagiert mit Interesse. Anders Miolin hofft nun auf ein ebensolches seitens der Komponisten, auf dass das Repertoire nicht nur um Transkriptionen alter Musik, sondern auch um Neues bereichert werde.
Die Chiavi-Miolin-Gitarre wird am Mittwoch, 19.30 h, in der Musikhochschule, Florhofasse 6, in einem Konzert vorgestellt.
Von Michael Eidenbenz
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Guitare Classique Janvier 2008 No 39, Florent Passamonti
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Anders Miolin et Ermanno Chiavi
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„J'étais curieux de savoir comment un guitariste trouverait son chemin sur tant de cordes et de frettes“.
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C’est après un concert à Zurich que le luthier Ermanno Chiavi fait la rencontre d’Anders Miolin. Durant leur conversation, Miolin déjà adepte de la dix-cordes. lui fait part de ses opinions sur les instruments à 10 et 11 cordes et émet l’hypothèse d’élargier encore l’ambitus de son instrument dans le registre grave. Malgré un certain scepticisme, l’évocation de ce projet réussit néanmoins à attiser la curiosité d’Ermanno Chiavi. „J’étais curieux de savoir comment un guitariste trouverait son chemin sur tant de cordes et de frettes“. Lors d’un second rendez-vous, le luthier lui présente un de ses instruments à dix cordes construit quelques années plus tôt. Anders, enthousiasme, lui rappelle son projet et, cette fois-ci, il lui soumet l’idée d’une guitare à 13 cordes. Ayant préalablement réfléchi sur les possibilités offertes par cet instrument pour le guitariste et le compositeur, il réussit à convaincre Chiavi. De nombreuses rencontres suivant leur premier rendez-vous et, au printemps 2002, Chiavi se met sérieusement au travail. Avec ses étudiants, il rencontre Anders Miolin afin de dresser la liste des exigences et idées relatives à cette guitare. Organisant les différentes suggestions et évaluant leur faisabilité, il est enfin en mesure de dresser un planning afin de procéder à la réalisation du projet. Face aux multiples contraintes que peut induire la réalisation de cet instrument. Chiavi et son équipe rivalisent d’ingéniosité pour trouver des solutions. C’est ainsi qu’ils repensent certaines des parties de l’instrument.
En général, la disposition usuelle des mécaniques en rang confère de longues têtes aux guitares dépassant les six cordes. Après diverses tentatives, ils réussissent à trouver une réponse à ce problème de design: malgré les 13 cordes, il dessine une tête dont les proportions se rapprochent de très près de celles d’une tête de guitare standard. Le surplus de poids est réduit au minimum, en faveur d’une amélioration en termes de vibration. À tout cela s’ajoute l’organisation des chevilles, qui permet un alignement des cordes dans le prolongement du manche, réduisant l’angle avec celui-ci et favorisant un transfert de vibration plus équilibré.
Le manche lui aussi est d’un dessin tout particulier, puisqu’il décroît de la troisième frette jusqu’à la douzième, de telle sorte qu’à la 12e case, seules sept des 13 cordes peuvent être actionnées sur la touche. Ce qui contribue encore à réduire le poids et donner une apparence plus légère à l’instrument. Dans une recherche d’équilibre, Chiavi rajoute cinq frettes dans les aigus, de sorte que l’ambitus de l’instrument ne se trouve pas élargi que dans le grave. Sur son instrument, il devient possible de jouer cinq octaves, au lieu de trois octaves et une quinte sur une guitare normale. Rajouter des frettes pour créer plus de notes aiguës est une chose ; pouvoir les jouer en est une autre. En effet, à partir de la 12e case se pose le problème du placement du pouce de la main gauche. C’est pour cela que dans une rechercher d’accessibilités des notes suraiguës, il utilise un système consistant en une inclinaison de la table entre la 12e et la 24e case, permettant un jeu plus confortable. La rosace et la bouche de la guitare, elles, se trouvent à une place bien peu conventionnelle : dans la partie supérieure gauche de la table. Cet emplacement décentré, inspiré du luthier espagnol Simplicio, fut développé dans les années 30 par ce dernier qui l’abandonna, à cause de son impopularité auprès des guitaristes trop conservateurs de l’époque.
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